Twittern mit @akkordeonistin

https://twitter.com/akkordeonistin/status/533320930756681728

«Twitter? Das ist doch das mit diesen 160 Zeilen?» – «Mit Twitter konnte ich mich nie anfreunden, ich blicke da nicht durch.» – «Das ist doch diese Plattform, auf der Trump so viel Mist veröffentlicht?» – «Kennst du nun nur noch Twitterer oder kennst du auch noch normale Leute?»

Die Vorurteile gegenüber Twitter sind vielfältig. Das war bei mir vor Jahren nicht anders. Doch eines Tages habe ich mich in Twitter verliebt und kann bis heute nicht davon lassen. An manchen Tagen frage ich mich zwar, was ich da überhaupt mache und warum um Himmels willen ich Intimitäten in die Welt hinausposaune. Aber meistens macht es mir einfach Spass: Ich erlebe, denke oder höre etwas – und schon formt sich in meinem Kopf ein Satz mit ziemlich genau 140 Zeichen.

Ich habe Lust, meinen Followern etwas zu erzählen, sie ein kleines bisschen an meinem Leben teilhaben zu lassen. So wie auch ich an ihrem ein wenig Anteil nehmen kann: Oh, A ist jetzt verliebt. B hat seinen Job verloren, C reist nach Neuseeland und D wird Vater. Und obwohl ich die allermeisten dieser Twitterer noch nie gesehen habe, interessiert es mich, was sie tun. Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Viele sind mir aber wirklich ans Herz gewachsen und eine Handvoll zählen inzwischen zu meinen besten Freunden. Alleine dafür hat es sich schon gelohnt, mir damals einen Twitteraccount zuzulegen und über meine Busfahrten zu berichten.

Text: Claudia Vamvas

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Sitze im Bus Claudia Vamvas Akkordeonistin

Claudia Vamvas 

Sitze im Bus 

2016

Frohmann Verlag 

Claudia Vamvas fährt fast täglich Bus und beobachtet dabei genau die Menschen um sich herum. Was sie hört und sieht, fasst sie zu winzigen Erzählungen zusammen, die sie mit ihrem Smartphone zu Twitter schickt.

literatourismus.net


Claudia Vamvas – Sitze im Bus

27. Januar 2017

Eigentlich fährt sie nur Bus. Doch Claudia Vamvas lässt es in ihren pointierten und warmherzigen Beobachtungen mehr nach einer Schicksalsgemeinschaft aussehen, die jeden Tag zur gleichen Zeit in einem Gelenkbus mit Faltenbalg zusammentrifft. Kurz oder auch länger sind sie, einander zwar unbekannt, aber durch das Leben und Menschsein verbunden, Gefährten mit unbestimmtem Ziel.