Ein Buch schreiben ist ein Buch schreiben?

Was macht die Arbeit an einem Buch mit einer Autorin? Marianne Künzle lernte während ihrer Recherchen für den Roman “Uns Menschen in den Weg gestreut” viel über Pflanzenheilkunde. Warum der Farn seither eine besondere Rolle in ihrem Leben spielt, erzählt sie in dieser Kolumne.

 

Eine Krimiautorin ertappt sich unter Umständen, wie sie dem Briefträger eine Psychose unterschiebt oder eine Dreiecksbeziehung wittert, wo niemand auch nur darüber nachdenkt, dass hier etwas im Tun sein könnte. Die Autorin eines Romans über Altersdepression wird wahrscheinlich Vergleiche zwischen einem schwermütig gewordenen Bekannten und der Protagonistin im Buch ziehen, die den Umgang mit der Krankheit erlernt. Den Verfasser einer Geschichte über die Zivilluftfahrt dürfte Flugzeuglärm unausweichlich in die Zwangslage versetzen, solange in den Himmel zu starren, bis er den Flugzeugtyp bestimmen kann.

“Etwas, das sich nie eingeschlichen hätte, hätte man ein Buch nicht geschrieben, bleibt womöglich an vielen Autorinnen und Autoren hängen.”

Etwas, das sich nie eingeschlichen hätte, hätte man ein Buch nicht geschrieben, bleibt womöglich an vielen Autorinnen und Autoren hängen. Zumindest mir ist das passiert. Dank der Arbeit am Buch schloss ich eine neue Freundschaft, oder, etwas weniger pathetisch ausgedrückt: die Arbeit am Buch hat meinen Alltag mit einem nicht mehr wegzudenkenden Utensil bereichert.

Bild: Teemu Paananen

Als moderner Mensch, der seinen Alltag meist sitzend verbringt, plagen mich nicht etwa Rückenschmerzen oder die verspannte Schulterpartie. Es sind die Beine, die zu schmerzenden Betonpflöcken mutieren und mir einen Arbeitstag vermiesen können. Zu kaufen gibt es gegen Venenleiden Gels, Dragées, Öle, Tabletten. Sie haben ihren Preis und ihre Wirkung ist bislang sehr kurzfristig. Dennoch kaufen?

Der Romanheld in “Uns Menschen in den Weg gestreut” ist ein ausgewiesener Heilpflanzenspezialist. In seinen Schriften, die ich während den Recherchen zum Buch studiert habe, legt er mir zuallererst etwas anderes nahe – er schickt mich raus in den Wald! Dorthin, wo der Farn wächst, eine aus der Mode geratene Heilpflanze.

“Gesagt, getan. Farnblätter, in den Schuhen getragen, lassen mich an einem langen Tag im Büro die Beine vergessen.”

 

Gesagt, getan. Farnblätter, in den Schuhen getragen, lassen mich an einem langen Tag im Büro die Beine vergessen. Sie fühlen sich über Stunden leicht an.

Auch wenn nicht jeder Spaziergang zum Farn führt, manchmal stellt sich der gewisse Pflanzenblick dann doch ein und plötzlich, mir mitten in den Weg gestreut: Farn, soweit das Auge reicht!

Ein Buch schreiben ist ein Buch schreiben und ein kleines Bisschen mehr.

Marianne Künzle

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Marianna Künzle, Uns Menschen in den Weg gestreut

Marianne Künzle 

Uns Menschen in den Weg gestreut

2017
Zytglogge Verlag 

 

Marianne Künzle widmet sich in ihrem ersten Roman den bedeutsamen Jahren von Johann Künzle, dem legendären Kräuterpfarrer (1857-1945). Sie zeichnet ein vielschichtiges Bild des umtriebigen Mannes, der politischen Debatte, die sein Schaffen ausgelöst hat und einer bewegten Epoche.

www.mariannekuenzle.ch