Palavern in Salon-Atmosphäre

Von der klassischen Lesung bis zur Hip-Hop Session: Vier Mal im Jahr zeigt die Spoken Word-Szene im Salonpalaver, was sie kann.

Sie treffen sich in Kapellen, auf Schiffen, in Cabarets, Theatern oder in den ehemaligen Salons alter Stadtvillen. Was ein bisschen nach den heimlichen Treffen einer verschworenen Geheimgesellschaft klingt, sind in Wahrheit die vierteljährlich stattfindenden Spoken-Word-Veranstaltungen Salonpalver. Palavert wird an unterschiedlichen Orten. „Wir sind eine Wanderveranstaltung“, sagt die Inhaberin der Reihe Sabine Gysi. Die Salon-Atmosphäre sei jedoch Programm und das wichtigste Kriterium, das ein Veranstaltungsort erfüllen müsse. „Klein und intim soll es sein; am liebsten sind mir Räume, in welchen wir die Stimmen der Vortragenden nicht verstärken müssen.“

Vom Cabaret Voltaire über die Räume im Karl der Grosse oder der Helferei des Grossmünsters, bis hin zu einem Limmatschiff hat denn das Salonpalaver bereits an unterschiedlichste Lokalitäten stattgefunden. Angefangen hat jedoch alles in der Winterthurer Villa Sträuli, als die damalige stellvertretende Leiterin und Kulturmanagerin Sabine Gysi während eines Auftritts der Autorin Tanja Kummer auf die Idee kam, gemeinsam mit der Schriftstellerin eine Spoken-Word-Reihe ins Leben zu rufen. Das war im Jahr 2008.

 

Andri Perl bei seinem Auftritt am ersten Salonpalaver.

Bis dann aber Melinda Nadj Abonji, Andri Perl, Joy Frempong und Beat Sterchi beim ersten Salonpalaver am 8. Juni 2010 tatsächlich auf der Bühne standen, sollten noch knapp zwei Jahre vergehen. An Kontakten zu interessanten Autorinnen und Künstlern mangelte es der Autorin und der Kulturmanagerin zwar nicht, in der Literatur-, Spoken-Word- und Poetry-Slamszene waren sie beide bereits damals sehr gut vernetzt. Als Knacknuss erwies sich hingegen die Finanzierung. „Wer bei uns moderiert oder auftritt, soll angemessen dafür bezahlt werden“, sagt Gysi. Allein durch den Erlös der Eintritte sei das nicht finanzierbar.

Crowdfunding für angemessene Bezahlung

Die beiden entwickelten ein Finanzierungskonzept, eine Art Crowdfunding-Kampagne, obwohl es das damals in der Schweiz noch gar nicht gab. 600 sogenannte Mini-Mäzene sollten die Reihe während des ersten Jahres mit einem Beitrag von jeweils 50 Franken unterstützen, damit einmal im Monat ein Palaver stattfinden konnte. Doch: „Obwohl viele Leute bereit waren, Mini-Mäzen zu werden, reichte es nicht ganz, und wir haben die Einzelbeträge zurücküberwiesen. 2010 kam dann zum Glück unser erster Sponsor auf uns zu.“

Meral kureyshi am Salonpalaver
Dana Grigorcea

Seraphim von Werra am Salonpalaver
Pedro Lenz am Salonpalaver

 

Meral Kureyshi, Claudia Vamvas, Dana Grigorcea, Seraphim von Werra, Pedro Lenz(Bilder: Nicole Schneider)

Seither wird viermal jährlich palavert. Vier Künstlerinnen treten an jedem Abend auf, von der klassischen Wasserglaslesung bis zur Poetry-Slam-Session ist jeweils alles dabei. Mindestens ein Spoken-Word-Performer oder Poetry-Slam-Künstler pro Veranstaltung sind Pflicht, in den meisten Fällen kommt eine Musikerin dazu. „Ich versuche, Autorinnen und Autoren einzuladen, die sich auch wirklich wohl fühlen auf der Bühne und denen die Art, wie ihre Texte klingen, genauso wichtig ist wie der gedruckte Text“, erklärt Sabine Gysi, die die Veranstaltungsreihe inzwischen allein durchführt. Als prominente Beispiele für Autoren, die ihre Texte auch wirklich zu performen wissen, nennt sie etwa Michael Fehr und Nora Gomringer.

Wanderveranstaltung mit breiter Zielgruppe

Nora Gomringer am Salonpalaver

Nora Gominger (Bild: Nicole Schneider)

Rund zwei Jahre habe es gedauert, bis sich die Reihe bei den Künstlerinnen und Künstlern etabliert habe, inzwischen komme es häufig vor, dass Autorinnen oder Verleger sich von selber bei ihr melden, erzählt die Organisatorin. Schwieriger sei es hingegen, das Publikum bei der Stange zu halten. „Dass wir eine Wanderveranstaltung sind, erschwert es, ein Stammpublikum aufzubauen, und durch die Vielfalt unseres Programmes haben wir ein unvernünftig breites Zielpublikum.“ Das sei wohl auch der Grund, weshalb man bei jeder Veranstaltung erneut um die Gunst der Gäste kämpfen müsse. Dazu komme die immer grösser werdende Konkurrenz. „Als wir 2010 angefangen haben, war das noch nicht so, aber inzwischen gibt es fast jedes Mal, wenn wir ein Palaver durchführen, mindestens eine ähnliche Veranstaltung, gegen die wir antreten müssen.“

Dennoch bleibt der Aufwand überschaubar. Rund zehn bis fünfzehn Stunden investiert Sabine Gysi inzwischen noch in eine Veranstaltung. „Nebenbei“ hat sie einen „schönen und intensiven“ 100-Prozent-Job bei der Jacobs Foundation. „Manchmal ist das tatsächlich etwas viel und ich wünschte mir, ich könnte meine Rolle bei Salonpalaver für ein oder zwei Jahre an jemanden ‘ausleihen’. Aber einfach so aufhören mit Salonpalaver möchte ich nicht!“

 

Text: Monika Schubarth

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