Grosse Namen, lauschiges Ambiente

Seit 2015 holt Ramona Früh im Sommer bekannte Autorinnen und Autoren in die Winterthurer Parks. Die Spoken-Word-Reihe “Lauschig” findet Anklang, die Organisatorin expandiert in den Herbst.

„Hält das Wetter?“ Der Blick von Ramona Früh geht routiniert nach oben, bevor sie sich in der Gartenbeiz hinsetzt. Die letzten Jahre haben sie zur Expertin in Sachen Sommergewitter werden lassen. Sie ist Gründerin und Chefin der Literatur- und Spoken-Word-Reihe „Lauschig – wOrte im Freien“, die seit 2015 jeweils im Sommer in Winterthur stattfindet. Der Name ist Programm, die Veranstaltungen finden in einem der zahlreichen Parks der Stadt statt.

Auch der nächsten Veranstaltung wird ein Wetterkrimi vorausgehen, wenn zum Saisonschluss 2017 Sacha Batthyany auf der Bühne stehen wird. Der Amerikakorrespondent des „Tages Anzeiger“ bestreitet gemeinsam mit der in Berlin lebenden Autorin Olga Grjasnowa den Abend, der unter dem Motto „Lauschig und erschütternd“ steht. 2016 sorgte Batthyany mit seinem Debüt „Und was hat das mit mir zu tun?“, in welchem er der Rolle seiner Familie während der Nazizeit nachgeht, für Aufsehen. Das Buch stand auf den Shortlists des deutschen, des Schweizer und des Österreichischen Buchpreises, der Autor erlangte rasch grosse Bekanntheit.

Grosse Namen standen bei „Lauschig“ von Anfang an auf dem Programm. Gleich in der ersten Saison des Festivals hatte mit Nora Gomringer die amtierende Bachmann-Preisträgerin einen Auftritt in Winterthur. Zufall und Glück sei das gewesen, sagt Früh. „Als wir das Programm für die erste Saison gestalteten, waren wir so früh dran, da wusste noch niemand, wer nach Klagenfurt eingeladen wird.“ Gomringer habe sie zuvor einige Male bei Auftritten gesehen und daher gewusst, „dass sie cool ist, tolle Texte schreibt und super auftreten kann.“

Bekannte Namen, ungewöhnliches Ambiente

Bekannte Autorinnen liessen sich trotzdem bereits zu Beginn gerne einladen. Ingrid Noll zum Beispiel, die Krimiautorin mit Jahrgang 1935, die nur noch selten öffentliche Auftritte absolviert. „Unser Konzept gefällt vielen Autoren, da ist es wohl nicht so wichtig, wie etabliert eine Veranstaltungsreihe ist“, sagt Früh. Das lauschige Ambiente in den Parks, die gemeinsamen Auftritte mit einem weiteren Autor und einer Moderatorin und die Mottos, unter denen ein Abend steht, sorgen für eine entspannte Stimmung. Und die grosse Frage nach dem Wetter schweisse irgendwie auch zusammen.

Wo ein Event stattfindet, entscheiden Früh und ihr Team denn auch erst am Tag der Veranstaltung. Bei schlechtem Wetter steht als Ausweichort der Saal der Giesserei in Oberwinterthur zur Verfügung. 200 Personen finden dort Platz, so viele Tickets gehen jeweils auch in den Vorverkauf. Die Parks bieten einem grösseren Publikum Platz. 220 Gartenstühle befinden sich im Besitz von Ramona Früh, eine Bar, einige Tische, ein Podium für dieAutoren wird jeweils dazu gemietet. „An Abenden im Park befinden wir uns im wahrsten Sinn des Wortes auf der grünen Wiese.“ Ausser Strom sei gar nichts vorhanden, alles bringen das Lauschig-Team und seine freiwilligen Helferinnen und Helfer selber mit. Selbst die Toiletten werden extra für das Event angekarrt. Anfang Jahr reserviere sie jeweils für jeden Abend zwei bis drei ToiTois, am Tag der Veranstaltung gebe sie dann Bescheid, ob wirklich Bedarf bestehe oder nicht.

Am Ende der dritten Saison haben sich die Abläufe eingespielt. Trotzdem arbeitet Ramona Früh, die ursprünglich Journalismus und Musikwissenschaft studiert hat, über das ganze Jahr gesehen mit einem geschätzten Pensum von 30 Prozent für die sieben „Lauschig“-Veranstaltungen. Dazu kommen eine Bar-Chefin, ein Verantwortlicher für die Technik, einer für die Infrastruktur und diverse freiwillige Helferinnen und Helfer. Den Büchertisch organisiert die Mutter der Chefin, die zusätzlich zusammen mit zwei weiteren Frauen Kuchen und Focaccia für die Pausen bäckt.

Vom lauschigen Park in die gemütliche Stube

„Die Selbständigkeit und das Organisieren liegt bei uns wohl irgendwie in der Familie“, erklärt Früh den Umstand, dass ihr Projekt von Anfang an reibungslos funktioniert hat. Sie könne halt gut mit Planen und habe viel Erfahrung mit Kommunikation. Mit dem grossen Erfolg beim Publikum hat sie dennoch nicht gerechnet. „Wir hofften am Anfang auf etwa 50 Personen pro Abend.“ Gekommen sind im ersten Jahr durchschnittlich 150, der Abend mit Petra Ivanov lockte in diesem ersten Jahr sogar 260 Gäste an.

Von Erschöpfung ist bei der Organisatorin am Ende der Saison nichts zu spüren. Im Gegenteil, statt im Herbst die Hände in den Schoss zu legen, steht bereits das nächste Projekt in den Startlöchern. In den kommenden Monaten nimmt Früh die Winterthurer Wohnzimmer ins Visier. Die „Sofalesungen“ gibt es bereits in Basel, Zürich und der Zentralschweiz, seit diesem Jahr ist auch „Lauschig“ Partner der Reihe. Am 1. Oktober geht es mit der Jungautorin Judith Keller in die erste Runde, insgesamt sind für den Herbst drei „Sofalesungen“ in Winterthurs Stuben geplant.

Text: Monika Schubarth
Bild: Stefan Kubli

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8. Juni – 1. September

Lauschig 2018

Hansjörg Schertenleib und Stefan Bachmann geben sich widerspenstig, Urs Faes und Yael Inokai eher düster. Ronja von Rönne und Michael Stauffer werden provokativ, Amores Mortis verführen auf dem Friedhof und Svenja Herrmann, Jurcok 1001 und Adam Schwarz sind ruhelos.

Neu im Programm ist die Reihe “Lauschig, kurz und bündig”, welche Literaten wie Elias Hirschl, Arno Camenisch, Sandra Künzi und einige mehr zu einem Auftritt an den Musikfestwochen verhilft.

Das ganze Programm und mehr finden Sie unter

www.lauschig.ch